Kapitel 7: Sozialer Beziehungsgraph und Vertrautheit

7.1 Warum GMC einen sozialen Beziehungsgraphen benötigt

GMC erfasst nicht nur Beiträge — es erfasst auch Beziehungen zwischen Menschen. Dies ist keine Zusatzfunktion, sondern die Grundlage zentraler Mechanismen:

Vom Beziehungsgraphen abhängiger MechanismusZweck
VererbungsmechanismusBestimmt das Abschwächungsverhältnis (höhere Vertrautheit = weniger Abschwächung)
Stakeholder-AusschlussSchließt Personen aus, die zu eng mit dem Beitragenden verwandt sind, bei Abstimmungen
Anti-BetrugIdentifiziert abnormale Beziehungsmuster und Kollusionsverhalten
Gemeinschafts-GovernanceDefiniert Gemeinschaftsgrenzen und Mitgliedschaftsbeziehungen

Ohne den Beziehungsgraphen kann keiner der oben genannten Mechanismen funktionieren.

7.2 Quellen der Vertrautheit

Vertrautheit leitet sich aus Fay-zu-Fay-Interaktionen und dem sozialen Beziehungsnetzwerk ab:

  • Interaktionshäufigkeit: Kommunikations- und Zusammenarbeitshäufigkeit zwischen zwei Fay
  • Interaktionstiefe: Komplexität und Dauer gemeinsamer Projekte
  • Beziehungsdeklarationen: Von Nutzern aktiv deklarierte Beziehungen (Familie, Kollegen usw.)
  • Gemeinsame Teilnahme: Gemeinsam besuchte Gemeinschaften, Projekte und Abstimmungen

7.3 On-Chain-Strategie

Warum On-Chain-Speicherung notwendig ist

Schlussfolgerung aus Diskussionen: Soziale Beziehungen müssen on-chain gespeichert werden, um die Authentizität der Beziehungen sicherzustellen und Fälschungen zu verhindern.

Wenn Beziehungsdaten gefälscht werden können, versagen Mechanismen wie Vererbungsabschwächung und Abstimmungsausschluss.

Geschichtete Speicherung

DatentypSpeicherortBegründung
BeziehungsexistenzOn-chainGewährleistet Unfälschbarkeit
VertrautheitswerteOn-chainDient als Grundlage für Vererbung und Ausschluss
VertrautheitsberechnungsnachweiseOn-chain (ZK-Beweise)Stellt sicher, dass die Berechnung prüfbar ist
InteraktionsdetailsOff-chainGroßes Datenvolumen, betrifft Privatsphäre

Off-Chain-zu-On-Chain-Verankerung

  • Interaktionsdetails werden off-chain gespeichert
  • Statistische Ergebnisse werden periodisch per Hash auf der Chain verankert
  • ZK-Beweise werden bei Aktualisierung der Vertrautheit eingereicht
  • Jeder kann über den Hash verifizieren, dass Off-Chain-Daten nicht manipuliert wurden

7.4 Vertrautheitsmodell

Berechnungseingaben

Vertrautheit = f(Interaktionshäufigkeit, Interaktionstiefe, Beziehungsdeklarationen, gemeinsame Teilnahme, Zeitverfall)

Eigenschaften

  • Hat eine maximale Obergrenze
  • Verfällt bei längerem Ausbleiben von Interaktionen
  • Berechnungsprozess ist über On-Chain-Nachweise prüfbar
  • Symmetrie noch zu bestimmen (ob A→B gleich B→A ist)

Vertrautheit-zu-Funktion-Zuordnung

VertrautheitsbereichVererbungsabschwächungAbstimmungsausschluss
Sehr hoch (> 0,9)NiedrigsteMuss ausgeschlossen werden
Hoch (0,7–0,9)NiedrigAusschluss empfohlen
Mittel (0,4–0,7)ModeratNicht ausgeschlossen
Niedrig (0,1–0,4)HochNicht ausgeschlossen
Sehr niedrig (< 0,1)Sehr hoch oder nicht erlaubtNicht ausgeschlossen

7.5 Beziehungstypen

  • Blutsverwandtschaft: Eltern, Kinder, Geschwister
  • Rechtliche Beziehungen: Ehepartner, Vormund
  • Soziale Beziehungen: Freunde, Kollegen, Mentor-Schüler
  • Organisatorische Beziehungen: Beschäftigung, Geschäftspartner

Verschiedene Beziehungstypen können unterschiedliche Vertrautheits-Basiswerte und Verfallsraten haben.

7.6 Fälschungsschutz

  • Beziehungsdeklarationen erfordern die Bestätigung beider Parteien (bilaterale Signaturen)
  • Interaktionsaufzeichnungen werden automatisch vom System generiert, nicht manuell eingegeben
  • Ein großes Volumen an Interaktionen innerhalb kurzer Zeit wird als anomal behandelt
  • Isolierte hochfrequente Interaktionen zwischen zwei Parteien (ohne gemeinsamen sozialen Kreis) werden als verdächtig behandelt
  • Beziehungen müssen bereits on-chain sein, bevor ein Ereignis eintritt (rückwirkende Erfassung für Vererbungszwecke ist nicht erlaubt)

7.7 Privatsphärenschutz

  • Beziehungsexistenz ist öffentlich (wird für öffentliche Funktionen wie Abstimmungsausschluss verwendet)
  • Spezifische Vertrautheitswerte können selektiv offengelegt werden
  • Interaktionsdetails sind streng vertraulich
  • ZKP wird verwendet, um Berechtigung nachzuweisen, ohne spezifische Beziehungen offenzulegen

7.8 Diskussionsnotizen

Designüberlegungen zum sozialen Beziehungsgraphen:

  • Dies ist das Schlüsselmerkmal, das GMC von einem reinen Token-System unterscheidet
  • Das Datenvolumen ist die größte Herausforderung — ein globaler Sozialgraph ist enorm groß im Umfang
  • Geschichtete Speicherung (On-Chain-Beziehungen + Off-Chain-Details + Verankerungsnachweise) ist der aktuelle ausgewogene Ansatz
  • Die Symmetriefrage bei der Vertrautheit erfordert weitere Diskussion
  • Der Beziehungsgraph selbst erfordert ebenfalls Fälschungsschutzmechanismen